Diabetes mellitus durch absoluten Insulinmangel infolge einer zunehmenden Zerstörung der B-Zellen des Pankreas; früher juveniler Diabetes genannt
Ursachen
- Meist autoimmunbedingte Zerstörung der β-Zellen mit nachfolgendem absolutem
Insulinmangel - Auslöser: vermutl. Virusinfekte bei erbl. Veranlagung
Symptome
- Klin. Manifestation, wenn 80 % der β-Zellen
zerstört sind - Rascher Beginn mit zunehmender Polyurie
- Starker Durst, Gewichtsverlust, Exsikkose, Schwäche
- Erstmanifestation bei Kindern oft als ketoazidotische Stoffwechselentgleisung mit o.
ohne Koma
Diagnostik
- Anamnese, körperl. Untersuchung
- Diagnosekriterien nach ADA u. WHO:
– Symptomatik u. Gelegenheits-BZ (unabhängig von Nahrungsaufnahme u. Tageszeit) ≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l)
– Wiederholte Nüchternplasmaglukose (8-Std.-Nahrungskarenz) ≥ 126 mg/dl (7,0 mmol/l) o. oraler Glukosetoleranztest (oGTT) > 200 mg/dl nach 2 Stunden - Glukose im Urin, Ketonkörper im Urin
- Meist Auto-AK nachweisbar, C-Peptid ↓
- Bestimmung der Glykohämoglobine (HbA1 bzw. HbA1C) → zeigen mittleren BZ Spiegel der letzten 6–
Therapie
- Therapieziele: Nüchtern-BZ ≤ 100 mg/dl (5,5 mmol/l), Vermeidung von Hypoglykämien, größtmögl. Flexibilität bei der Nahrungsaufnahme, Vermeidung von Spätfolgen (› Diabetes mellitus Typ 2), Urin sollte glucose-und ketonkörperfrei sein, postprandialer Blutzucker max. 140 mg/dl
- Sofortige lebenslange Insulinpflicht, diabetesgerechte Ernährung
| Erstmaßnahmen bei Hypoglykämie |
| Bei einem bewusstlosen Diabetiker immer zuerst an eine Hypoglykämie denken u. Glukose zuführen. Auf keinen Fall Insulin verabreichen. Im Falle einer vorliegenden Hyperglykämie würde die zugeführte Glukose nicht schaden, hingegen ist die Gabe von Insulin bei Hypoglykämie lebensbedrohl. > (Not-)ÄrztIn informieren > Engmaschige Kontrolle BZ, Vitalwerte, Bewusstsein > Sicherung des Atemwegs durch z. B. stabile Seitenlage > Fortlaufende Kontrolle von Atmung, Kreislauf und Bewusstsein |
Hinweise zur Pflege
- Pat. über Erkrankung informieren, psychische Unterstützung bei Verarbeitung der Diagnose
- Inhalte der Patientenschulung:
– Selbstkontrolle: BZ-Wert (mind. 4 × tgl.), Ketonkörper im Urin
– Umgang mit Insulin, Insulinarten und Wirkbeginn, Injektionstechnik, Spritz-Ess-Abstand, Injektionsorte
– Diabetes und Bewegung
– Diabetes und Beruf und Hobbys
– Diabetes und Schwangerschaft
– Ernährung: i. d. R. hohe Flexibilität bzgl. Nahrungsmittel und Häufigkeit bei einer
Intensivierten konventionellen Insulintherapie und Insulinpumpentherapie
– Verhalten in Sondersituationen, z. B. Sport, Infektionskrankheiten
– Vermeiden/Erkennen von Hypoglykämien
– Folgeerkrankungen u. Spätkomplikationen durch Mikro- und Makroangiopathie und deren Prävention, z. B. sorgfältige Fußpflege - Pflege bei diabetischem Koma:
– Intensivpflichtig
– Monitoring von EKG, Puls, RR, Atmung, Temp.
– Mind. 1-stdl. neurolog. Beurteilung (Glasgow Coma Scale)
– ½-stdl. bis 1-stdl. Kontrollen von BZ, Kalium, Natrium
– BGA-Kontrolle (pH)
– ZVD-Messung
– Flüssigkeitsbilanzierung (BDK), Bestimmung der Ketone im Urin
– Bei Erbrechen evtl. Magensonde
– Überwachung Infusionstherapie
– Prophylaxen
| Besonderheiten beim Kind |
| > Betreuung durch kinderdiabetologisch erfahrenes Team, psychosoziale Begleitung der gesamten Familie im Langzeitverlauf > Strukturierte, altersangepasste Diabetesschulung für Eltern und Kinder sowie das Umfeld (Kita, Schule, Sportverein); Unabhängigkeit und Eigenständigkeit des Kindes erhalten und fördern |
Besondere Informationen
- Hauptmanifestationsalter: 10.–25. Lj.
- Häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern (1:1 000)
- Akute Komplikation: ketoazidotisches Koma (z. B. durch erhöhten Insulinbedarf bei Infekt o. Insulinunterdosierung): absoluter Insulinmangel → Hyperglykämie (300–700 mg/dl) u. Lipolyse mit Produktion saurer Ketonkörper → metabolische Azidose
→ Kußmaul-Atmung u. Azetongeruch der Atemluft, ggf. Peritonitiszeichen - Spätfolgen › Diabetes mellitus Typ 2

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