Entzündung (ausgelöst durch einen infektiösen Streuherd) der Herzinnenhaut (Endokard) mit drohender Zerstörung der Herzklappen
Ursachen
- Bakterielle Endokarditis (infektiös): meist grampositive Erreger, v. a. Staphylokokken
(65 %), Streptokokken (30 %), seltener gramnegative Bakterien u. Pilze - Rheumatische Endokarditis (nichtinfektiös): rheumatisches Fieber (eher selten)
- Risikofaktoren:
– Angeborene o. erworbene Herzklappenfehler
– Künstl. Herzklappe
– Schlechter Immunstatus
– Hämatogene Streuung bei bekannter Bakteriämiequelle, z. B. i. v.-Drogenabusus,
Herzklappenprothesen, Schrittmachersonden
Symptome
- Bei bakterieller Endokarditis je nach Erreger
hochakuter o. schleichender Verlauf:
– Leitsymptome:
Fieber je nach Verlauf: ≤ 39 °C (subakut),
≥ 39 °C mit Schüttelfrost (akut)- Zeichen der Herzinsuffizienz und neu
aufgetretene Herzgeräusche - Splenomegalie
- Embolische Ereignisse
– Gewichtsverlust, allg. Schwäche, Gelenku. Muskelschmerzen, Nachtschweiß
– Nierenbeteiligung mit Hämaturie u. Proteinurie
– Periphere Manifestationen: petechiale Blutungen, Osler-Knötchen (kleine schmerzhafte Knötchen an Finger- u. Zehenspitzen)
- Zeichen der Herzinsuffizienz und neu
- Rheumatische Endokarditis:
– Fieber, Gelenkschmerzen
– Ringförmige Hautausschläge
– Allg. Krankheitsgefühl (zunächst ohne Herzbeschwerden)
Diagnostik
- Anamnese, körperl. Untersuchung (neu aufgetretenes Herzgeräusch)
- Blut: BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose, Anämie, Blutkulturen zum Erregernachweis
- EKG-Kontrollen, Echo (transthorakale Echokardiografie TTE, transösophageale Echokardiografie TEE)
Therapie
- Aufnahme auf Intensivstation nötig
- Bakterielle Endokarditis:
– Nach Blutkulturentnahme sofortige Antibiotikatherapie
– Operativer Klappenersatz, z. B. bei antibiotisch nicht beherrschbarer Sepsis,
infizierter Klappenprothese, Klappenzerstörung, kardialer Dekompensation - Rheumatische Endokarditis:
– Antibiotikatherapie zur Beseitigung des Streptokokkeninfekts (Penicillin)
– Behandlung der rheumatischen Beschwerden - Fokussuche und -sanierung z. b. Tonsillen, Nasennebenhöhlen, Zähne
Hinweise zur Pflege
- Bettruhe einhalten lassen, Unterstützung bei den Lebensaktivitäten und notwendige Prophylaxen durchführen
- Engmaschige o. kontinuierl. Überwachung von Blutdruck und Puls (Rhythmus), Temp., Atmung, Ausscheidung/Flüssigkeitsbilanzierung
| Besonderheiten beim Kind |
| > Fieber als häufigstes Symptom kann bei Neugeborenen o. jungen Säuglingen fehlen > Risikogruppe: Kinder mit angeborenem Herzfehler; bei vorgeschädigtem Endokard: antibiotische Endokarditisprophylaxe bei diagnostischen o. therapeut. Eingriffen |
Besondere Informationen
- Komplikationen:
– Septische Embolien meist in Niere, Milz, Gehirn, Retina, Koronarien u. Lunge
– Schwere Klappenschäden - Bakterielle Endokarditis: akuter Verlauf meist schnell u. fulminant mit Sepsis, mögl.
Multiorganversagen u. tödl. Ausgang, Milzruptur möglich - Prognose: Letalität beträgt ca. 30 %; nach überstandener Endokarditis müssen sich
ca. 40 % der Pat. einer Herzklappen-OP unterziehen - Pat. benötigen einen Endokarditis-Ausweis
→ bei jedem weiteren Krankenhausaufenthalt vorlegen

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