Frau Kepalies, möchten Sie kurz ein paar Worte zu Ihrem beruflichen Werdegang sagen?
Sehr gern. Ich komme ursprünglich aus der Pflege und habe viele Jahre sowohl praktisch als auch in der Aus- und Weiterbildung gearbeitet. Schon früh hat mich interessiert, wie Lernen in der Pflege nachhaltiger, praxisnäher und motivierender gestaltet werden kann. Neben meiner Tätigkeit in der Lehre habe ich mich intensiv mit digitalen Lernformaten beschäftigt, insbesondere mit auditiven Lernmethoden also Podcast. Diese Verbindung aus Pflegepraxis, Didaktik und neuen Medien prägt auch meine heutige Arbeit als Autorin.
Ich bin also Gesundheits‑ und Krankenpflegerin, Praxisanleiterin sowie Pflegepädagogin (B.A.). Ich habe dann den Master of Health Professions Education an der Charité abgeschlossen und arbeitet als Pflege- sowie Medienpädagogin am Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe. In der Aus‑ und Weiterbildung verbinde ich pflegefachliche Expertise mit digitalen Lernformaten. Als Podcasterin von „Tatort Pflege“ entwickelte ich so praxisnahe Lernangebote zu Fachwissen, Fallbeispielen und Ausbildungsinhalten. Mein Fokus: Lernkultur stärken mittels Podcast.
Vor kurzem wurde Ihr Werk Pflege lernen mit Podcasts über den Elsevier Verlag veröffentlicht. Welche Erfahrungen haben Sie persönlich bereits mit Podcasts zum Lernen gemacht und wie ist es letztlich zu diesem Projekt gekommen?
Podcasts begleiten mich schon seit vielen Jahren. Zunächst privat, später auch ganz bewusst als Lernmedium. Ich habe festgestellt, wie effektiv auditives Lernen sein kann, gerade im stressigen Pflegealltag oder während der Ausbildung.
Lernen „nebenbei“, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit oder beim Spazierengehen, kann enorm entlastend sein. Die Idee zum Buch entstand aus Gesprächen mit Auszubildenden, die sich genau das gewünscht haben: Lerninhalte, die flexibel, verständlich und praxisnah vermittelt werden. Gemeinsam mit dem Elsevier Verlag konnte daraus schließlich dieses Projekt entstehen.
Außerdem gibt es eine Studie „Podcasting in Nurse Education: Qualitative Systematic Review“ aus dem Canadian Journal of Nursing Informatics und diese zeigt in Kürze Folgendes:
- Sie ist eine qualitative systematische Literaturübersicht, die untersucht, wie Podcasts und digitale Lernobjekte im Pflegeunterricht genutzt werden
- In 15 Studien zeigten Teilnehmende, dass Podcasts vor allem Flexibilität beim Lernen ermöglichen und Lerninhalte gut wiederholbar machen
- Podcasts unterstützen verschiedene Lernstile, steigern Motivation und Selbstwirksamkeit und sind besonders hilfreich für das Wiederholen und Vertiefen von Stoff
- Insgesamt werden Podcasts als nützliches zusätzliches Lernmittel bewertet, sollten aber traditionelle Lehrmethoden ergänzen, nicht ersetzen
Quelle: O`Brien, T., Dawbney, P., McTaggart, L., Thoma, M., Felton, C. (2024): Podcasting in Nurse Education: Qualitative Systematic Review, Canadian Journal of Nursing Informa tics, Band 19 No 2 ( Hrsg.), https://cjni.net/journal/?p=1312
Wie empfanden Sie den Prozess beim Schreiben dieses Buches? Gab es spannende Erfahrungen oder vielleicht auch Hürden auf die Sie gestoßen sind?
Der Schreibprozess war für mich sehr bereichernd, aber auch herausfordernd. Eine der größten Aufgaben bestand darin, komplexe pflegerische Inhalte so aufzubereiten, dass sie sich gut hören lassen und trotzdem fachlich korrekt bleiben. Spannend war vor allem die Frage: Wie klingt gutes Lernen? Gleichzeitig war es mir wichtig, die Auszubildenden stets miteinzubeziehen und ihre Perspektiven einzunehmen. Auch die Fallbeispiele waren spannend, denn irgendwann entwickelte man Sympathie für die Protagonisten der Fallgeschichten. Natürlich gab es auch Momente, in denen Strukturen neu gedacht oder Inhalte mehrfach überarbeitet werden mussten, aber genau das hat das Projekt letztlich so wertvoll gemacht.
Für manche Leserinnen und Leser erscheint womöglich die Option mit Podcasts für Pflegeprüfungen zu lernen zunächst ungewöhnlich und fremd. Können Sie für interessierte Pflegeauszubildende beschreiben, wie der Arbeits- und Lernvorgang aussieht, nachdem man sich ihr Buch gekauft hat? Was wird benötigt und wie sieht der Lernprozess aus?
Diese Rückmeldung höre ich sehr häufig, weshalb mir eine klare und gut nachvollziehbare Struktur der Podcastfolgen besonders am Herzen lag. Eine eindeutige Gliederung und wiederkehrende Elemente schaffen beim Hören einen Wiedererkennungseffekt, der das Lernen erleichtert und die Inhalte nachhaltiger verankert.
Nach dem Kauf des Buches erhalten die Lernenden Zugang zu thematisch gegliederten Podcasts, die sich an den prüfungsrelevanten Inhalten orientieren und diese mithilfe von Fallbeispielen und fundiertem Fachwissen aufbereiten.
Benötigt wird dafür lediglich ein Smartphone oder ein anderes Abspielgerät sowie Kopfhörer. Der Lernprozess ist bewusst flexibel angelegt: Die Podcasts können parallel zum Buch gehört werden, etwa um mitzuschreiben, oder auch zunächst nur angehört und anschließend schriftlich aufgearbeitet werden. Darüber hinaus eignet sich das Buch hervorragend zur gezielten Prüfungsvorbereitung oder zur Wiederholung. Es bietet Orientierung, vertieft die Inhalte und gibt konkrete Lernimpulse, sodass Hören und Lesen sinnvoll miteinander verknüpft werden.
Gibt es abschließend noch etwas, was Sie Auszubildenden der Pflege heute mitgeben möchten?
Ja, auf jeden Fall. Pflegeausbildung ist fachlich, körperlich und emotional anspruchsvoll. Deshalb möchte ich Auszubildenden mitgeben, sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren und neue Lernwege wie zum Beispiel Podcast auszuprobieren, die zu ihrem Alltag passen. Lernen darf individuell sein und auch Freude machen.
Und vor allem: Pflege braucht engagierte, reflektierte Menschen und genau die wachsen gerade in der Ausbildung heran. Danke, daß Ihr diesen großartigen Pflegeberuf lernt.
Vielen Dank, Frau Kepalies! Weiterhin alles Gute für Ihren spannenden beruflichen Werdegang und natürlich viel Erfolg für Ihr Werk!

Sarah Micucci
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Pflegepädagogin (B.A.)
Autorin / Redakteurin für Pflegefachliteratur


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